Wie die Bundeswehr kriegführungsfähig gemacht wird.
Während der Staatsapparat die Insassen Deutschlands mittels Gräuel-Propaganda kriegstauglich zu machen versucht, kritisiert eine kleine, aber radikale Minderheit den Militarismus der BRD fundamental. “Die große Mobilisierung. Die Bundeswehr von der Wiederbewaffnung bis zur Kriegstüchtigkeit”, so heißt das empfehlenswerte Buch des verdienstvollen PapyRossa Verlags aus Köln, dessen Herausgeber der AK Antimilitarismus ist, der in den Kampf für den Frieden eingreifen will.
Dass der Friedenskampf noch nicht verloren ist, ist der jungen Welt zu entnehmen, in deren Ausgabe vom 19. 12. 2025 auf der Seite 11 zu lesen ist: “Mit allergrößter Sorge schaut” der deutsche Staatsapparat im Hinblick auf den Ukraine-Krieg “auf Umfragen, denen zufolge kaum mehr als die Hälfte der Bevölkerung glaubt, dass Russland der einzige Aggressor ist und dass man alle Verbindungen zu Moskau kappen sollte”.
Hinzu kommt, dass der Schulstreik gegen die Wehrpflicht am 5. Dezember 2025 immerhin rund 55.000 Schülerinnen und Schüler mobilisierte, so dass am 5. März 2026 ein weiterer Schulstreik gegen die Wehrpflicht stattfinden wird.
Um den Blick der streikenden Schulmannschaft zu schärfen und den Friedenskampf so voranzubringen, sei aus dem “Beschluss des 24. Parteitages der DKP” im Jahr 2022 zur Beschaffenheit des Ukraine-Krieges zitiert: Die Ukraine sei “Schauplatz eines Stellvertreterkrieges”. “Es geht um geopolitische Interessen, Einflusssphären, Marktanteile, Rohstoffe, Energiepläne und Transportwege. Es geht um die ‘regelbasierte Ordnung’ im Sinne des westlichen Imperialismus. Es geht gegen Russland als Konkurrenten und China als ‘systemischen Gegner’.”
Die Bundeswehr als Instrument der Staatsgewalt
Im November 2025, das ist dem PapyRossa-Buch zu entnehmen, wurde das 70-jährige Bestehen der Bundeswehr markiert und vom Staatsapparat mit Pauken und Trompeten zelebriert. Die Geschichte der bundesrepublikanischen Streitkräfte besteht aus drei Entwicklungsphasen, deren erste in den 1950er Jahren geprägt war durch die Wiederbewaffnung und die Westintegration zwecks “Abwehr des Sowjet-Kommunismus ».
Im Mai des Jahres 2011 begann dann mit den neuen Verteidigungspolitischen Richtlinien die Ära der bewaffneten Interventionen. Das Staatsziel für die Bundeswehr war nun, dass “freie Handelswege und eine gesicherte Rohstoffversorgung” von einer solch “vitalen Bedeutung” seien, dass “Zugangsbeschränkungen konfliktauslösend wirken können”.
Mit dem russischen Eingreifen in das Kriegsgeschehen auf dem Gebiet der Ukraine am 24. Februar 2022 kam es zum erneuten Strategiewechsel der Bundeswehr. Verkündet und praktiziert wird jetzt die Fokussierung auf den Aufmarsch gegen Russland, weil der russische Staatsapparat mit dem Ukraine-Krieg einen militärisch abgesicherten Gegenschlag gegen die NATO-Ostexpansion führt.
Fürs Vaterland töten und sterben
Seit dem Krieg in der Ukraine wird für die Großmächtekonkurrenz auf staatlichen Befehl getötet und gestorben, so dass sich die Frage aufdrängt, warum die junge Generation in der Regel bereit ist, ehrenvoll fürs Vaterland zu töten und zu sterben. Um diesen kräftezehrenden Dienst leisten zu können, muss der Bundeswehrsoldat zunächst die Ersetzung ziviler durch militärische Normen verinnerlichen, so dass ihm militärische Gewalt als legitimes Mittel der Politik erscheint. Das Ziel der militärischen Sozialisation ist die Gehorsamsproduktion, damit die Machthaber des Staates und des Militärs die Verfügbarkeit über Menschen erlangen, die “fraglos parieren”. Die Ästhetik der Staatsgewalt vermag es im Zusammenwirken mit der vorherrschenden “instrumentellen Vernunft”, die laut Max Horkheimer Kritik am Bestehenden unterbindet, die Aufgabe des Kriegsinstrumentes Bundeswehr zu verschleiern. Dagegen darauf zu insistieren, dass die Funktion der Bundeswehr der Schutz des kapitalistischen Herrschaftssystems ist, wäre ein Mittel der antimilitaristischen Kritiker. Es gilt, das Tabu zu brechen, dass es die primäre Aufgabe der Bundeswehr ist, “als tarngefleckte Hand des Marktes dessen Freiheit mit militärischen Mitteln zu gewährleisten”. Gelingt dieser antimilitaristische Tabubruch, dann wird Deutschlands Kriegsertüchtigung mangels Bundeswehrsoldaten unterbunden.
Franz Anger
AK Antimilitarismus (Hg): Die große Mobilisierung; Die Bundeswehr von der Wiederbewaffnung bis zur Kriegstüchtigkeit,
Köln 2025, ISBN 978 – 3‑89438 – 856‑0, 208 Seiten, 16,90€
