Fami­li­en sol­len für Kri­se zahlen 

Grü­ne brin­gen Erhe­bung von Eltern­bei­trä­gen ins Spiel 

Der Haus­halt der Stadt Neuss geht den Bach run­ter. Im Ent­wurf des Haus­halts­plans für das Jahr 2026 sagt die Käm­me­rei in den kom­men­den drei Jah­ren ein Defi­zit zwi­schen 60 und 70 Mil­lio­nen Euro – pro Jahr! – vor­aus. Damit das unter dem Strich etwas bes­ser aus­sieht, hat die Stadt­ver­wal­tung unter Lei­tung von Bür­ger­meis­ter Breu­er schon ein­mal Hand ange­legt und pau­scha­le Kür­zun­gen ein­ge­plant. „Glo­ba­ler Min­der­auf­wand“ heißt das im Büro­kra­ten­deutsch und bedeu­tet: Bis zum Jahr 2029 soll die Stadt jähr­lich rund 14,5 Mil­lio­nen Euro ein­spa­ren – wo und wie, wird nicht verraten. 

Trotz­dem bleibt ein Minus von rund 50 Mil­lio­nen Euro ste­hen, mit dem sich die Rats­frak­tio­nen befas­sen. Einen ers­ten Vor­schlag, wo das Geld ein­ge­spart wer­den könn­te, haben nun die Grü­nen unter­brei­tet. In den Fokus sind dabei laut einer Pres­se­mit­tei­lung der Frak­ti­on die Berei­che gera­ten, für die Ent­gel­te oder Bei­trä­ge von den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern kas­siert wer­den. Im schöns­ten Polit­sprech ver­kün­det die Par­tei, dass eine „Über­prü­fung der Deckungs­bei­trä­ge von Ent­gel­ten und Bei­trä­gen“ statt­fin­den soll. In die­sem Zuge möch­te man die „Höhe des städ­ti­schen Anteils kri­tisch über­prü­fen“. Über­setzt bedeu­tet das: Die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger sol­len künf­tig mehr zah­len, damit die Stadt spa­ren kann. 

Dass es dabei auch um die Eltern­bei­trä­ge für Kita-Kin­der geht, brach­te die NGZ ans Licht. Die Zei­tung zitiert die Grü­ne-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Bet­ti­na Weiß damit, dass sie eine Dis­kus­si­on über (höhe­re) Eltern­bei­trä­ge nicht aus­schlie­ßen will. 

Seit dem Kita-Jahr 2020/2021 müs­sen Eltern in Neuss kei­ne Bei­trä­ge mehr für die Ü3-Betreu­ung im Kin­der­gar­ten oder in der Tages­pfle­ge zah­len. Das war das Ergeb­nis eines lan­gen poli­ti­schen Kamp­fes, der zuerst von der Frak­ti­on „Die Lin­ke“ geführt wur­de, an der damals auch Mit­glie­der der DKP Neuss betei­ligt waren. Der Beschluss war ein weg­wei­sen­der Schritt hin zu einer etwas sozia­le­ren Stadt, in der Bil­dung, Teil­ha­be und fami­liä­re Selbst­be­stim­mung nicht vom Geld­beu­tel abhängen. 

Wenn die Grü­nen nun das Rad der Geschich­te zurück­dre­hen und Kita-Gebüh­ren ein­füh­ren oder in der U3-Betreu­ung erhö­hen wol­len, dann bedeu­tet das, dass Fami­li­en und Allein­er­zie­hen­de für die Kri­se der städ­ti­schen Finan­zen zahlen. 

Dadurch soll die Lücke gefüllt wer­den, die Land und Bund im städ­ti­schen Haus­halt hin­ter­las­sen. Denn, obwohl die Kin­der­ta­ges­be­treu­ung eine Pflicht­auf­ga­be ist und es sogar einen recht­li­chen Anspruch auf einen Kita-Platz gibt, wird die Stadt mit dem Groß­teil der Kos­ten allei­ne gelas­sen. Eine Bei­spiel­rech­nung: Das Land NRW hat im ver­gan­ge­nen Jahr rund 40 Mil­lio­nen Euro für die Kita-Betreu­ung an die Stadt bezahlt. Die Stadt muss­te aber mehr als 107 Mil­lio­nen Euro aus­ge­ben, um die Kitas am Lau­fen zu hal­ten. Es ist die­se Lücke von mehr als 60 Mil­lio­nen Euro, auf die jetzt geschielt wird. 

Dabei wäre die poli­ti­sche Lösung leicht zu erken­nen: Bund und Land müs­sen end­lich damit auf­hö­ren, das Steu­er­geld in Mili­tär- und Rüs­tungs­aus­ga­ben zu ver­pul­vern. Dann gäbe es auch genug Mit­tel, um ver­nünf­ti­ge Kitas, gute Schu­len und lebens­wer­te Städ­te zu finan­zie­ren. Doch das pas­siert nicht, und zwar bun­des­weit. Es ist kein Zufall, dass sich die deut­schen Kom­mu­nen in der schlimms­ten Finanz­kri­se der bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Geschich­te befin­den, wäh­rend die Kos­ten für Krieg und Wirt­schafts­krieg stei­gen. Am Ende wer­den die­se Kos­ten ein­fach nach unten durch­ge­reicht und auch von den Eltern in Neuss getra­gen, wenn neue Bei­trä­ge ein­ge­führt werden. 

Dage­gen hilft nur Wider­stand gegen die Hoch­rüs­tungs- und Eska­la­ti­ons­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung. Das Abwäl­zen der Kri­sen­fol­gen und der Kriegs­vor­be­rei­tung auf die Bevöl­ke­rung wird dem städ­ti­schen Haus­halt kei­ne nach­hal­ti­ge Erleich­te­rung verschaffen.

Vin­cent Cziesla